Alle Künstler:innen
Radostina Baier 2024
Radostina Baier, geboren in Haskovo, Bulgarien, entdeckte schon früh ihre künstlerische Ader, die sie von ihrer Mutter und ihrem Großvater geerbt hat. Nach ihrem Umzug nach Linz Ende der 1990er Jahre entwickelte sie sich sowohl als selbstständige Visagistin als auch als Künstlerin weiter.
Zeichnen ist für sie der perfekte Ausgleich und „erdet“ sie. In den letzten zwei Jahren hat sie die Hyperrealistik entdeckt, die ihre bisherigen Techniken völlig umgekrempelt hat.
Im Mai 2024 feierte sie ihre erste Ausstellung in Steyr und präsentierte stolz ihre Werke den Freunden, Bekannten und der Familie.
@rados_tinabaier / office@radostina.at / www.studio-r.at
Amelie Goetzl 2025
Glanz mit Widerstand
Amelie Goetzl, geb. 1991, studierte zuerst Modedesign an der Kunstuniversität Linz und später Malerei und Druckgrafik an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Daniel Richter und Christian Schwarzwald. Sie arbeitet in verschiedenen Bereichen, wie Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur, Textil – und Modedesign und verwebt diese miteinander zu einer mehrschichtigen Bildsprache. Was auf den ersten Blick dekorativ erscheint – glänzende Stoffe, Pailletten, leuchtende Farben – birgt Widerstand und Tiefgang. Ihre Kunst setzt sich mit feministischen und politischen Themen auseinander und nutzt scheinbar alltägliche Materialien, um auf gesellschaftliche Strukturen aufmerksam zu machen.
Schauspieler Wojo van Brouwer bringt es auf den Punkt:
„Das Düstere ist noch da, aber es glitzert.“
Im Rahmen der ART.WEEK.STEYR 2025 bespielt Amelie Goetzl eine leerstehende Fläche in der sorgfältig erhaltenen historischen Architektur der Stadt. Die Begegnung von kunstvoller Bausubstanz und glitzernder Oberfläche erzeugt einen besonderen Spannungsraum – Vergangenheit trifft auf Gegenwart, klassische Ästhetik auf subversive Statements. Gezeigt werden unter anderem Werke aus der Serie „WHAT WOULD SUSAN SONTAG SAY?“, die patriarchale Machtverhältnisse kritisch hinterfragt. Bearbeitete Wendepaillettenstoffe dienen hier als visuelles Protestmittel – laut, schrill und unbequem.
Goetzls Bildwelten sind geprägt von hybriden Wesen, Pflanzenmotiven und aposematischer Farbigkeit, inspiriert von Tiefsee und Tierreich. Mikroskopische Nahaufnahmen ihrer Pailletten-Arbeiten eröffnen neue Perspektiven auf Oberfläche, Material und Bedeutung. Ihre Kunst fordert zum genauen Hinsehen heraus:
Was liegt unter dem Glanz? Was zeigt sich hinter der Schönheit?
Víctor Sales 2024
Der ursprünglich aus Guatemala stammende Künstler Víctor Sales ist seit 2012 in Österreich und hat gemeinsam mit anderen Künstler:innen bereits mehrere Kunstprojekte ins Leben gerufen, wie bspw. das Art House Project oder die Kunstmesse TRANSFORM-ARTE. Die Kunst hat ihn schon immer interessiert, ebenso wie die Fotografie und vor allem auch die Poesie, die in seinen Werken oft eine zentrale Rolle spielt.
Er liebt es, mit Metall zu arbeiten. Momentan beschäftigt er sich mit Porträts und Silhouetten. Wobei für ihn die unterschiedlichen Dimensionen spannend sind, die sich bei seinen Arbeiten ergeben und die oft eine Momentaufnahme sind im Prozess der Erkundung von Traumwelt und Quantenbereich.
@victorsalesvs
Wilhelm Singer 2023
Wilhelm Singer präsentiert eine szenische Rauminstallation mit dem Titel „Das Ausloten von Scheingeräuschen“. Singers Figuren suchen nach neuen Orten der Zuflucht. Er selbst ist als Performer Teil der Installation.
Barbara Mungenast 2023
Barbara Mungenast stellt in ihrem Werk die zentrale Frage nach unseren Sehgewohnheiten. Mungenast konzipiert am Computer minutiös ihre spontan wirkenden Kompositionen. Sie bedient sich einer bestehenden Bilderwelt. Junge Selfiemädels aus Tokio treffen auf junge Wienerinnen oder das Matterhorn mutiert zur Kopie.
Ilona Eidinger 2025
Textile Transformationen
Ilona Eidinger hat ihr Bachelorstudium in Textil·Kunst·Design an der Kunstuniversität Linz abgeschlossen und steht nun kurz vor dem Abschluss ihres Masterstudiums bei Univ.-Prof. Mag. Johannes Schweiger.
Im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens stehen skulpturale Tapisserien, die klassische textile Techniken mit zeitgenössischen Ansätzen verbinden. Dabei verwendet sie häufig recycelte Stoffe und entwickelt daraus dreidimensionale Formen, die zwischen Textilkunst, Skulptur und Rauminstallation changieren.
Charakteristisch für Eidingers Arbeiten ist, dass sie den eingesetzten Materialien unterschiedliche Bedeutungen beimisst: Manche Stoffe treten als Träger von Erinnerungen, Geschichten oder Symbolkraft hervor, andere werden bewusst reduziert und dienen primär als formale oder haptische Elemente.
Neben diesen Tapisserien entstehen auch Collagen und experimentelle Selbstdarstellungen, die Fragen nach Materialität, Identität und künstlerischer Transformation ausloten.
Für die Steyr.Art.Week präsentiert Ilona Eidinger sowohl bereits bestehende Werke als auch eigens für die örtlichen Gegebenheiten entwickelte Arbeiten. Ihre Praxis öffnet einen vielschichtigen Zugang zu den Themen Textil und Nachhaltigkeit.
Rudi Meidl 2023
Rudi Meidl zeigt feinsinnige digitale Arbeiten. Sein Blick folgt Strukturen, Linien, Reflexionen und Farbharmonien. Es erwarten Sie Prints mit Szenen aus Musikvideos, urbane Eindrücke aus Paris und Hongkong.
Johannes Karl 2023
Veranlasst durch Texte, Satzfragmente und Wortkombinationen aus Literatur und Musik entstehen bei Johannes Karl minimalistische Strichbilder
KATER D. 2025
Collage als Prinzip
Im Rahmen der ART.WEEK.STEYR. bespielt KATER D. einen Leerstand in der Innenstadt und eröffnet darin einen temporären Kunstraum. Die Künstlerin, geboren 1988 in Wien, lebt und arbeitet ebendort. Zuletzt zeigte sie ihre Arbeiten im Rahmen der „Sommerfrische Kunst“ in Gastein.
KATER D. studierte von 2016 bis 2022 an der Akademie der bildenden Künste Wien in der Klasse für Grafik und druckgrafische Techniken unter der Leitung von Veronika Dirnhofer und Christian Schwarzwald. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion und ist geprägt von experimenteller Formgestaltung, intuitivem Arbeiten und dem Prinzip der Collage.
Gerissene Flächen, gestische Linien, Raster und florale Drucke bilden vielschichtige Bildkompositionen, deren Ausgangspunkt häufig ihr persönliches Archiv ist: Skizzenbücher, Textilreste, Abfälle und Fundstücke des Alltags dienen als Material und Inspirationsquelle. Dabei spielt die Auflösung materialbezogener Hierarchien eine zentrale Rolle. Das vermeintlich Vergängliche wird zum formgebenden Element – nicht als wertvoll oder wertlos etikettiert, sondern als offener Impuls für neue Bildräume.
Mit ihrer ortsspezifischen Installation in Steyr schafft KATER D. einen ebenso intimen wie kraftvollen Zugang zu ihrem künstlerischen Kosmos.
Rina Treml 2025
Atmosphären des Dazwischen
Unweigerlich denkt man bei Rina Tremls Arbeiten an Atmosphäre – nicht als subjektives Empfinden, sondern als objektive, spürbare Qualität von Räumen und Situationen, geprägt von physischer wie sozialer Umgebung. Ihre transdisziplinäre, experimentelle Praxis bewegt sich an den Schnittstellen von Kunst, Raum und Gesellschaft.
Treml (*1981 in Rum, Tirol) lebt und arbeitet in Nord- und Südtirol. Sie realisiert temporäre Eingriffe im öffentlichen Raum, kollektive Prozesse und performatives Arbeiten, oft verankert in feministischen Perspektiven und subjektiven Mythen. Im Zentrum ihres Schaffens stehen Übergänge, Reibungen und Leerstellen – zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen Erinnerung und deren Brüchen.
„Ich habe kein zentrales Werkzeug. Es passt sich je nach Inhalt, Idee und Raum an.“
Mit diesem Ansatz beschreibt Rina Treml die Vielschichtigkeit ihres künstlerischen Schaffens. Ihre Werke entstehen stets aus dem jeweiligen Konzept heraus – das Material und die Technik ergeben sich aus der Idee und dem Ort.
So reicht ihr Spektrum von genähten Textilfahnen und Haararbeiten über Wachsgüsse bis hin zu Landart-Installationen aus Holz, Steinen oder Samen. Jede Arbeit ist eine eigenständige Antwort auf den jeweiligen Kontext und entzieht sich bewusst einer festen Formensprache. Tremls Zugang ist forschend, intuitiv und offen – verbunden mit einem feinen Gespür für das Fragile, das Unsichere und das Dazwischen. Ihre Arbeiten laden zur achtsamen Wahrnehmung ein und machen das Unsichtbare spürbar.
Rina Treml studierte Architektur in Innsbruck, Lund und Wien, sowie Grafik- und Kommunikationsdesign an der Graphischen in Wien und Medienillustration bei Illuskills.
Katrin Leuchtgelb 2025
Allegorien in Farbe
Leuchtgelb verbindet technische Präzision mit bildnerischer Fantasie. Nach einem Studium der Prozesstechnik prägt ihre Liebe zum Detail und ihre strukturierte Arbeitsweise ihre eigenständige Bildsprache. In akribischer Handarbeit entstehen farbintensive Gemälde mit Acryl und Tusche, die an digitale Ästhetiken erinnern – und dennoch vollständig analog gefertigt sind.
Im Zentrum stehen allegorische Tierfiguren vor geometrischen, oft kaleidoskopartigen Hintergründen. Ihre Kompositionen wirken wie eine zeitgenössische Fortsetzung naturkundlicher Illustrationen oder mittelalterlicher Bestiarien – vergrößert, verfremdet und mit subversivem Witz aufgeladen. Leuchtgelbs Tiere haben Charakter: Sie scheinen zu posieren, zu beobachten, sich zu tarnen oder aufzubegehren.
Die Künstlerin beschäftigt sich mit Sichtbarkeit, Transformation und Verhalten im Spannungsfeld von Natur, Zivilisation und kulturellem Code. Im September 2025 bespielt sie im Rahmen der ART.WEEK.STEYR einen Leerstand und bringt ihre Werke zugleich verstärkt in den öffentlichen Raum – als Einladung zur spontanen Begegnung mit Kunst im Alltag.
Ness Rubey 2024
Ness Rubey, eine konzeptionelle Fotografin aus Linz, ist bekannt für ihre farbenfrohen Arbeiten, die die Schönheit und Widersprüche unserer Gesellschaft beleuchten.
Ihre Werke behandeln Themen wie Feminismus, Fleischkonsum, Einsamkeit und Selbstliebe, oft mit einem humorvollen und eigenwilligen Blick auf das Alltagsleben. Widersprüche, der menschliche Körper, maßgeschneiderte und alltägliche Gegenstände, kombiniert mit perfekter Beleuchtung und minimaler Retusche, prägen ihre Bildsprache.
2019 wurde Ness von weltbekannten Fotografen wie Oliviero Toscani für Sky Arte’s „Master of Photography“ ausgewählt. Seitdem gewann sie mehrere Kunstpreise, darunter den Reclaim Award und den Tokio International Photo Award, und stellte international aus, unter anderem im Lentos Kunstmuseum Linz und dem CICA Museum in Südkorea.
@nessrubey / info@nessrubey.com / www.nessrubey.com
Miriam Walcherberger-Kößler 2023
Miriam Walcherberger-Kößler präsentiert ein Waldstück, den Spielplatz ihrer Kindheit. Unbekümmert, phantasievoll spielten die Kinder, der Faktor Zeit existierte nicht. Heute gefährden Klimakatastrophen, Versiegelungen und Umwidmungen diese Idylle.
Anna Luise Schnur 2025
Momente im Raum
Im Rahmen der ART.WEEK.STEYR. 2025 zeigt Anna Luise Schnur ein eigens für die Stadt entwickeltes Projekt in einem temporär genutzten Leerstand. Die in Wien lebende Künstlerin setzt sich in ihrer Arbeit mit der Verbindung von Architektur, Formensprache und Malerei auseinander – diesmal im Spannungsfeld von Zeit, Augenblick und Erinnerung.
Im Zentrum stehen kleinformatige Arbeiten, die zueinander in Beziehung treten – ein visuelles Miteinander, das an die zwischenmenschlichen Interaktionen erinnert, die einst im Geschäftsraum des Leerstands stattfanden. Es entsteht ein vielschichtiger Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Raum und Bild.
Schnur interessiert sich besonders für die Übersetzung architektonischer Elemente in malerische Kompositionen. Geometrische Flächen treffen auf figürliche Objekte – daraus entsteht eine spannungsreiche Verbindung von Abstraktion und Gegenständlichkeit. Ihre Werke wirken oft wie Fenster in eine andere Wirklichkeit: Plastisch dargestellte Dinge schweben vor flächigen, ornamentalen Hintergründen.
„In der Malerei kann man zweidimensional vieles darstellen. Es gibt da keine Regeln. Gerade die Mischung aus Abstraktion und Figuration eröffnet mir neue inhaltliche und formale Möglichkeiten“. Die Arbeiten in dieser Leerstandsbespielung befassen sich mit der Thematik des „Moments“, jenem zeitlichen Geschehen, in dem wir eingebettet sind und das geradlinig seinen Lauf nimmt. Kein Moment gleicht dem anderen. Genau dieses Flüchtige ist es, das uns ständig umgibt. Nicht das Davor, nicht das Danach – sondern das Jetzt. In einer kleinen malerischen Serie, die im Raum verteilt oder nebeneinander gehängt werden kann, thematisiert sie das sukzessive Erscheinen eines Schattens auf dem Boden – eine Projektion der Umrisse einer Pflanze, die die Künstlerin selbst gesetzt hat. Die Arbeiten fangen eine Gegenüberstellung ein, voller Spannungen und Stille: Die Schnelligkeit und Kraft von Licht und Sonne, die ruhige Körperlichkeit der Pflanzen, die beständige Projektionsfläche des Bodens. Wachstum. Energie. Stillstand.
Jedes einzelne Bild gleicht einem Standbild eines Films. Zusammengesetzt ergeben sie eine Bewegung und machen so die Unaufhaltsamkeit der Abfolge von Momenten sichtbar. Eine weitere Serie, die sich mit einer ähnlichen Thematik beschäftigt, zeigt die Darstellung von Wolkenformationen – Gebilde, die sich beständig jedoch unvorhersehbar verändern. Die Wolken stehen für eine sanfte, dynamische, unaufhaltsame Transformation – vor einem Hintergrund, der ins Unbestimmte führt.
Mit ihrer Ausstellung in Steyr setzt Anna Luise Schnur ihre Auseinandersetzung mit Raum, Bild und Atmosphäre konsequent fort – und schafft zugleich eine sensible künstlerische Verbindung zum Ort.
Schnur wurde 1991 in Aachen (BRD) geboren und studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien Grafik und druckgrafische Techniken bei Veronika Dirnhofer und Christian Schwarzwald. Parallel dazu widmete sie sich intensiv der Malerei und absolvierte das Kolleg für Grafik- und Kommunikationsdesign an der Graphischen Wien. Ihre Arbeiten werden von renommierten Galerien vertreten und auf internationalen Kunstmessen gezeigt.
Daniel Hilgert 2023
Für den Steyrer Maler Daniel Hilgert ist der Raum in all seinen Dimensionen und seiner Wirkkraft auf den Menschen das Leitmotiv seiner künstlerischen Auseinandersetzung. Der Raum als Space, als Außenraum, wie der individuelle Körperraum.
Barbara Weinberger 2024
Barbara Weinberger, geboren 1970 in Oberösterreich, lebt und arbeitet in Bad Hall und Linz. Nach ihrem Studium an der Kunstuniversität Linz ist sie seit 2012 als Dozentin für Kunst und Gestaltung tätig. Weinberger beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Praxis mit verschiedenen Medien, wobei ihr Fokus auf Malerei und Grafik liegt.
Ein zentrales Anliegen in Weinbergers Werk ist es, das Besondere in Dingen darzustellen, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken. In scheinbar unauffälligen Szenen findet sie eine ästhetische Qualität und bringt diese in ihren Arbeiten zum Ausdruck. Dieser Ansatz lädt ein, über das Offensichtliche hinauszusehen und besondere Momente in unerwarteten Kontexten zu entdecken.
Inhaltlich setzt sie sich u.a. mit den Themen „Gesehen werden / Nicht gesehen werden“ auseinander, die insbesondere in ihrer Darstellung von Frauen und deren Sichtbarkeit in der Gesellschaft zum Ausdruck kommen. Ihre Werke hinterfragen, wie Frauen wahrgenommen werden und welche Aspekte ihres Seins oft übersehen oder ignoriert werden.
@ba_weinberg / barbara.weinberger@ph-linz.at / www.barbaraweinberger.at
Jacqueline K. Böhm 2025
Fluchtraum
Jacqueline K. Böhm ist eine performative und experimentelle Künstlerin sowie Filmschaffende aus Linz. Sie studierte von 2015 bis 2023 an der Kunstuniversität Linz und war dort Studienassistentin bei Siegfried A. Fruhauf und der Abteilung für Experimentelle Gestaltung. Sie ist Mitgründerin des Linzer Kunstkollektivs ArtDiscount24.
In ihren Arbeiten verbindet Böhm einen humoristisch-philosophischen Zugang mit einer kritischen Auseinandersetzung gesellschaftlicher Routinen, Schamgrenzen und innerer Blockaden. Ihre experimentellen Filme und Installationen bedienen sich häufig digitaler Medien und überdimensionierter Alltagsobjekte, um neue Formen von Narration und Erfahrung zu ermöglichen. In ihren Performances verschwimmen die Grenzen zwischen Innen und Außen, Traum und Alltag – etwa in Deep Rest, einer Arbeit, in der sie ein Kleid aus Bettzeug durch den urbanen Raum trägt.
Für die ART.WEEK.STEYR 2025 entwickelt Jaqueline Böhm die raumgreifende Installation „Fluchtraum“ in einem leerstehenden Gebäude in Steyr. Der Raum thematisiert Rückzug, Schutzbedürfnis und kollektive Erinnerung. Dabei spielt auch der heimelige Kindheitsgedanke eine Rolle – das Lesen unter der Bettdecke, die selbstgebaute Bettenburg als Ort der Zuflucht. Fluchtraum reflektiert den Wunsch nach Intimität im digitalen Zeitalter und macht diesen durch Licht, Raum und Atmosphäre sinnlich erfahrbar.
Die Installation spiegelt den wachsenden Trend wider, sich aus der Öffentlichkeit ins Private zurückzuziehen – ein Phänomen, das Böhm künstlerisch erfahrbar macht und gesellschaftlich reflektiert.
Adrian Suknjov 2024
Wohnhaft in Steyr, hat an der Kunstuniversität in Linz Bildende Kunst studiert. Seine Werke umfassen unter anderem Konzeptkunst, Malereien, Grafiken, Animationen und Videos.
Er besinnt sich gerne auf traditionelles Animieren zurück. Digitale Hilfe erleichtert einen reibungslosen Ablauf der Zwischenbilder, doch genau dieser Reibunglosigkeit setzt er sich entgegen. Das Unperfekte ist, was uns menschlich macht. Diese Videos machen jedes Frame sichtbar, anstatt in der Menge zu verblassen.
Er setzt in seinen Arbeiten Wert auf Wiederholungen, in denen derselbe Ablauf unzählige Male durchlebt wird. Diese Wiederholungen offenbaren die feinen Abweichungen, die in der Imperfektion ihre Vollendung finden. So schafft er Kunst, die eine Akzeptanz des Unvollkommenen feiert.
Etienne Yver 2024
Indem er sich dem Tier und dem Bild, das er von ihm hat, entgegenstellt, hat sich der westliche Mensch konstituiert, indem er es domestiziert und versucht, es einzuschränken, ja sogar zu eliminieren; aber manchmal auch, um es zu integrieren, zu verkörpern (siehe den Mythos von Pasiphaé, dem Vater des Minotaurus).
Es ist für uns auch schwierig, in der Geschichte des Menschen eine Bezeichnung für den ersten Menschen zu finden, der aus dem tierischen Zustand „auferstanden“ wäre. Nach und nach wird uns bewusst, dass alle Lebewesen auf diesem Planeten und vielleicht auch darüber hinaus Mitbewohner sind.
Zweifellos ist der Mensch bis heute der Einzige, der sich diese Fragen über seine eigene Existenz stellt. Aber wir können uns vorstellen, dass diese neuen „Wesen“, die wir erschaffen, Computer und Roboter, bald zu Empathie und Autonomie fähig sein könnten. Wie sollen wir sie dann nennen? Menschen?
All diese Fragen sind in dieser Arbeit präsent, neben der reinen Reflexion und Freude an Farbe oder Schwarz und Weiß, an Form und Materie und deren Überfluss.
@etienneyver / ey@etienne-yver.com / www.etienne-yver.com
Gloria Beneder 2024
Freischaffende Künstlerin in OÖ / Modeschule Schloss Hetzendorf, Wien / Modedesign / Kostümbild, Kostümmalerei für Opernhäuser u. Theater im In- und Ausland u.a. für Hermann Nitsch, Alan Parsons Project , Philip Glass, Peter Handke, Disney / Leitung Kostümmalerei Musiktheater Linz / 2013- 2018 Galerie Seywald, Salzburg
BLURRED AND EXPOSED
Feminismus und Stärke sind zentrale Themen in diesen Bildern. Gloria Beneder thematisiert die Rückeroberung und Neuinterpretation des weiblichen Körpers unabhängig von gesellschaftlichen Maßstäben. Selbstbestimmte Erkundung von Sexualität und der Einsatz ihres eigenen Körpers in ihrer Kunst hinterfragen traditionelle Normen und Stereotype. Subtile Pornografie und die Unschärfe heben die Komplexität sexueller Identität hervor. “I am my own muse.”
I’M SO BLUE
Gloria Beneders Arbeiten werden seit 1997, durch Tauchreisen im Indischen Ozean, vom Himmel und Meer geprägt, getrieben vom Streben nach einem Gefühl der Losgelöstheit. Der Horizont als Illusion einer Grenze, steht dabei im Fokus – immer vorhanden und sich gleichzeitig ständig mit dem Betrachter verändernd. Das Echo von Stimmungen und aufgelöste Zweidimensionalität bieten dem Betrachter die Möglichkeit der Realität zu entfliehen.
Nikolaus Suchentrunk 2025
Zwischenräume der Malerei
Nikolaus Suchentrunk, geboren 1980 in Bregenz, studierte von 2005 bis 2012 an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Daniel Richter und Harun Farocki. Seine Malerei verbindet eine frühe zeichnerische Obsession mit der intensiven Auseinandersetzung abstraktem Expressionismus, nicht-repräsentativer Kunst und visuellen Strategien gesellschaftlicher Analyse. Seine Arbeiten entstehen im Spannungsfeld zwischen spontaner Geste und konzeptueller Präzision, zwischen Intuition und Analyse. Im Zentrum steht der sichtbare Schaffensprozess – als offenes Gefüge von Veränderung, Spur und Widerstand gegen feste Ordnung oder eindeutige Identität.
Für die ART.WEEK.STEYR 2025 bespielt Suchentrunk einen leerstehenden Geschäftsraum – keinen neutralen Kunstraum, sondern einen Ort mit funktionaler Vergangenheit, dessen architektonische Präsenz zum Teil der künstlerischen Setzung wird. Leerstand wird hier nicht als Defizit gelesen, sondern als offene Projektionsfläche, als Raum für Möglichkeiten.
Unter dem Titel „We were never really here“ entsteht eine malerisch-installative Arbeit im Spannungsfeld von Material, Abwesenheit und Formauflösung. Das Negativ des Objekts tritt nicht bloß als Abdruck in Erscheinung, sondern als stiller Verweis auf das nie vollständig Gegenwärtige.
Suchentrunks Kunst verweigert eindeutige Lesbarkeit. Stattdessen entstehen Zwischenräume – für Wahrnehmung, Irritation und das, was sich der Form entzieht.
Monika Haider 2025
Filz als Widerstand
Geboren 1955 in Kirchschlag bei Linz, lebt und arbeitet in Oberösterreich. Sie studierte von 2004 bis 2011 Textil Kunst & Design an der Kunstuniversität Linz (Bakkalaureat und Master).
Ihre künstlerische Arbeit fokussiert sich auf die archaische Technik des Filzens – mit Wolle, Wasser, Seife und ihren Händen entstehen Flächen, die sie bildnerisch verdichtet. Dabei bevorzugt sie eine reduzierte Bildsprache, die Raum für eigene Assoziationen lässt. Fotografische Vorlagen dienen oft als Erinnerungshilfe, wobei die Details im Prozess neu interpretiert werden.
Filzen gilt als eine traditionell weiblich konnotierte, handwerkliche Technik – mit genau diesem Stereotyp bricht Haider bewusst. In ihren Werken wird das vermeintlich Sanfte und Private zu einem Ausdruck gesellschaftlicher, oft verletzlicher, aber auch kraftvoller Themen.
Haider interessiert besonders die Planbarkeit im Spannungsfeld zur Unkontrollierbarkeit des Materials – „Was verfilzt ist, bleibt verfilzt.“ Thematisch beschäftigt sie sich mit Natur, Landschaft, Formen, Farben und gesellschaftlichen Fragestellungen. Ihre Arbeiten changieren zwischen Alltäglichem und Verletzlichem und es eröffnen sich Blicke in die Tiefe textiler Konstruktionen. Bei der ART.WEEK.Steyr stellt sie sich der spannenden Herausforderung, diese Formen im Kontext von Leerstandsbespielung neu zu denken.